Das Entsetzen ist gross, die Empörung, das kollektive WIR sind erschüttert! Da wagen es 2, den Geheimdiensten bekannte, Islamisten unser so intaktes christliches Abendland anzugreifen. Keine Frage, das war kaltblütiger Mord und mit nichts zu rechtfertigen oder zu beschönigen, dennoch stimmt da mit der Gesellschaft etwa grundsätzlich nicht. In Windeseile verbreitet sich eine globale Solidarität und ein Logo / Slogan ist auch sofort zur Stelle. Seit dem sind wir alle Charlie …. wirklich?
Was bedeutet es denn tatsächlich, sich mit den Opfern zu solidarisieren, ja sogar zu identifizieren? Kennen wir sie überhaupt? Was wissen wir von ihren Ideen, Überzeugungen, Idealen? Waren sie radikal, politisch, oder einfach nur “geniale Comic Zeichner”, denen es gegeben war, die Gedanken und Ideale anderer in Bilder zu packen. Wer waren diese Menschen und was waren ihre Ideale? Mir wurde mal wieder viel zu schnell ein “pauschal Bild” verfasst, eins das insbesondere der Politik passt und mit dem sich in der festgefahrenen Europapolitik schön von den eigentlichen Problem ablenken lässt.
Isalm ist eine Religion, die genau wie alle grossen Weltreligionen für Liebe, Friede und “brüderliches” Miteinander steht. Was daraus von den politischen Interessenvertretern einiger radikal denkenden Gruppen gemacht wird, hat soviel mit Islam zu tun, wie die spanische Inquisition mit den Idealen des christlichen Glaubens. Viele Traditionen des Islams stammen aus Zeiten, in denen Internet, Highspeed und Konsumrausch als Orte noch gar nicht existierten. Darüber hinaus machen sie durchaus Sinn, setzt man sie in ihren ursprünglichen Kontext. Nehmen wir den Gesichtsschleier der Frauen …. Wer würde sein Gesicht nicht schützen, lebten wir in einer Gegend in der Temparaturen wie in einem Backofen herrschen und Wind mit feinen Sand täglich unsere Haut schmirgeln würde. Offene Wunden und Risse in der Haut würden sich permanent entzünden und Parasiten hätten ein Eldorado. Nicht vorzustellen so leben zu müssen. Klar – heute haben wir Moisterizer, Sunblocker und andere Kosmetika uns zu schützen, aber mit wievielten Traditionen, die in unserem Alltag längst überholt sind, leben wir heute noch?
Ich komme auf das kollektive WIR zurück. Solidarität und Mitgefühl für die Opfer sind selbstverständlich und wichtig. Auch, dass wir ein Zeichen setzten gegen Gewalt und Terror, und dass wir als Europäer zusammenrücken. Wenn das mit “Je suis Charlie” gelingt, gut so! Gilt es dann auch für Griechenland, Spanien, Portugal etc …. halten wir damit die europäische Union zusammen? Werden wir mit der gleichen Solidarität weiter für ein einiges Europa kämpfen? Ich befürchte, die Ernüchterung wird sehr schnell kommen und Solidarität mit Opfern von Terroranschlägen ist doch was völlig anderes als Solidarität mit unseren nächsten Nachbarn.
Ich bin NICHT Charlie! Nicht weil ich diesen Anschlag für gut heisse, nicht weil ich keine Solidarität mit den Opfern teile, und schon gar nicht, weil ich nicht vehement verachte, wenn Menschen irgendwelche Maxime nutzen, um zu töten. Ich bin nicht Charlie, weil mir viel mehr daran liegt, in einer Gesellschaft leben zu wollen, die auf Respekt, Menschlichkeit und Miteinander baut. Ich bin Europäer und Weltbürger und der festen Überzeugung, dass wir nur gemeinsam eine Chance haben, den Herausforderungen die vor uns liegen ansatzweise gerecht zu werden.
Das ist mein ganz persönliche Meinung und jeder darf gerne eine andere Sicht vertreten!
There’s only 1 Earth – as far as we know today!

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